OSNABRÜCK
Über eineinhalb Jahre ist es her, dass die Arbeiten auf der „Mien Huus“- Baustelle im Osnabrücker Landwehrviertel quasi über Nacht stoppten. Die verantwortliche Projektgesellschaft „123. Landwehr-Osnabrück Projektgesellschaft“, die 59 Mietshäuser für Familien schaffen wollte, hatte Insolvenz angemeldet. Seither bot sich den Nachbarn der Blick auf Rohbauten, umrahmt von Baumaterialien und allerlei Hinterlassenschaften, sogar Ratten waren gesichtet worden.
Wie die Hohental-Gruppe das Projekt übernahm
Jetzt gibt es endlich gute Nachrichten: Ein Projektentwickler ist gefunden, der übernimmt. Die Hohental Plan- und Generalbau GmbH aus Berlin, ein Generalunternehmen, spezialisiert auf Neubau, Bestandssanierung und Entwicklung. Es will die 49 Reihenhäuser und 10 Doppelhaushälften am Bristol- und Glasgowring fertig entwickeln, bauen, anschließend vermieten und schließlich an institutionelle Investoren oder Family Offices verkaufen. „Bei uns gibt es alles aus einer Hand, das ist der Vorteil als Generalunternehmen, deshalb konnten wir dieses Risiko eingehen“, sagt Jens Wadle. Er ist der geschäftsführende Gesellschafter der Hohental. Wadle, gelernter Architekt, hat viele Jahre bei der kommunalen Berliner Wohnungsbaugesellschaft Howoge gearbeitet, war dort zuletzt Leiter des Bereichs Schulbau, bis er im September 2025 zur Hohental GmbH stieß.
Beim Gespräch auf der Baustelle verrät er, wie es mit der Übernahme ablief: „Etwa im Oktober 2025 hatten wir von dem Projekt in Osnabrück erfahren, der Insolvenzverwalter und die Bank sprachen uns an. Und dann musste es ganz schnell gehen“, erzählt er. Denn: Die Bank habe Druck gemacht, noch 2025 solle der Verkauf Insolvente Baustelle: Berliner Hohental-Gruppe springt im Landwehrviertel Osnabrück ein über die Bühne gehen. In kürzester Zeit habe also jeder einzelne Bau genauestens überprüft werden müssen.
Wie viel Schaden war während des Stillstands entstanden? Was muss rückgebaut, was saniert werden, wie könnte man das wirtschaftlich hinkriegen? „Das war ein echter Sprint“, sagt Wadle beim Spaziergang zwischen Bristol- und Glasgowring, entlang der Rohbauten, wo nun wieder Arbeiter am Werk sind. „Und viel Fusselarbeit für unsere Techniker.“ Am heftigsten zu schaffen hätten einem Teil der Häuser undichte Dächer gemacht. Ungehindert konnte so etwa Regenwasser eindringen. „Die Dächer haben wir zuallererst dicht gemacht“, sagt er. Mit einigen Fassaden habe man arbeiten können, andere hätten komplett zurückgebaut werden müssen.
Vor einem riesigen Berg an Dämmmaterial, teils noch eingeschweißt, teils aufgerissen, bleiben wir stehen. „Alles von dem Unternehmen vorher“, sagt Wadle. Ob das Material noch zu verwenden sei? „Das müssen wir noch prüfen.“ Insgesamt, findet er, könne der Fall „Mien Huus“ „als Paradebeispiel unserer Zeit gesehen werden“. An vielen Orten in Deutschland gebe es derzeit ähnliche brachliegende Projekte. Stranded Assets (deutsche Übersetzung: gestrandete Vermögenswerte) nennt sich das im Fachjargon. „Die sind alle in den Jahren entstanden, als man mit hohen Mieten, guten Baupreisen, guten Zinsen kalkulieren konnte.“ Jahre, in denen der Markt auch mal eine Fehlkalkulation verziehen habe. Doch dann kamen: Corona, Krieg, Inflation, geplatzte staatliche Förderungen. Einspringen könne Hohental nur deshalb, weil das Unternehmen alles aus einer Hand leisten könne, mit eigenen Leuten: Entwicklung, Vermarktung, Sanierung, Bau. „Ein Nur-Sanierer hätte hier seine Schwierigkeiten, ein Nur-Neubauer ebenso“, sagt Jens Wadle.
Der neue Zeitplan fürs Landwehrviertel
Das Osnabrücker Landwehrviertel habe ihn und Hohental überzeugt, weil „es schön grün ist, nachhaltig, mit guter Infrastruktur, Anbindung, Spielplätzen, Freiflächen, Supermarkt, in toller Lage – hier wurde an alles gedacht“. Sie wollen „Mien Huus“ nicht einfach nur fertigbauen, sondern weiterentwickeln. „Das Ziel ist, Familien mit und ohne Haustiere den Traum vom eigenen Haus mit Garten zu erfüllen.“
Ein Sprint sei es bis Jahresende gewesen, und nun ist Zeit zum Aufatmen? „Kommende Woche geht es mit Fassaden weiter, es folgen Grobinstallationen von Heizung und Elektro. Wir arbeiten uns von Nord nach Süd vor“, erklärt der Entwickler. Das Ziel ist ambitioniert: Bereits Ende 2026/Anfang 2027 sollen die ersten Mieter einziehen, noch in der ersten Jahreshälfte 2027 das gesamte Projekt abgeschlossen sein. Das hohe Tempo soll also erst einmal beibehalten werden. Der Sprintmodus bleibt an.